Mein Medienkompetenz-Labor: der familiäre Chatraum

| Die Mobilfunkjungs | 1 Kommentar

Seitdem alle minderjährigen Familienmitglieder ein Smartphone besitzen, prophezeien Verwandte und Bekannte das Ende natürlicher Kindsentwicklung. Wir aber erforschen die positiven Seiten der digitalen Mobilwelt. Teil eins: der familiäre Chatraum.

Beispiel Familienchat: "Eins, zwei, zweieinhalb ..." (Screenshot: Maximilian Gaub)

Beispiel Familienchat: "Eins, zwei, zweieinhalb ..." (Screenshot: Maximilian Gaub)

Niemand spricht ein Wort. Alle fünf sitzen auf dem Sofa, manchmal hebt einer den Kopf und kichert – die anderen blicken auf den Bildschirm ihres Smartphones. „Zwei. Zweieinhalb …“, tippe ich in das Chatprogramm. „Papa soll den Tisch aufreumen“, sendet der Sechsjährige. „Aufräumen kommt von Raum“, antwortet der 16-Jährige. „Ich koche, ihr macht das“, schreibt meine Frau. „Was essen wir?“, will der Elfjährige wissen. „Und die letzte Zahl ist …“, drohe ich. Die Kinder springen auf, rennen zum Esstisch, räumen das Brettspiel in die Schachtel. Die Chat-Viertelstunde ist beendet.

Diese stummen 15 Minuten Kommunikation finden unregelmäßig in unserer Familie statt. Während dieses Rituals ist Sprechen verboten – nur das Schreiben im Gruppenchat bei Whatsapp ist erlaubt. Das funktioniert, weil seit Weihnachten jedes Mitglied ein eigenes Smartphone besitzt.

Das Christkind und seine Frau hatten ausschließlich „Smartphone“ auf den Wunschzetteln der Jungs gelesen – und nach einigen gemäßigten Diskussionen (“Kommt nicht in Frage”) die Philosophie aktualisiert, wonach kein Kind ein Handy braucht. Vielmehr entstand der Gedanke, ein Medienkompetenz-Labor aufzubauen: Welche Funktionen eines Smartphones sind für Kinder in Ordnung, welche sogar fördernd? Den Pessimismus digitaler Werkzeuge überlassen wir anderen – jüngst zum Beispiel den Gästen von Frank Plasberg. Überstrenge Grenzen des Konsums auch – wie diese amerikanische Mutter und ihren militärischen Handyregeln. Wir starten spielerisch mit den Vorteilen von Chat-Apps.

Später, beim Abendessen. „Können wir noch eine Chat-Viertelstunde nach dem Essen machen?“, fragt der Kleinste. Ich verweise auf die Uhrzeit. „Bitte, Papa.“ Erinnere an den morgigen Schultag. „Bitte, bitte, bitte.“ Denke nach. „Wir räumen auch noch unsere Zimmer auf.“ Und habe eine Idee: Schreibt uns, was ihr wie geordnet habt und schießt zwei Bilder eurer Räume. Damit ich in der Küche sehe, was ihr im ersten Stock erledigt habt.

Die Kinder springen auf, rennen in ihre Zimmer. Und während meine Frau und ich abwaschen, empfängt mein Smartphone: „Lego aufgereumt“, „Es heißt: aufräumen!“, „Alle Bücher im Regal“. Es folgen sechs Bilder, ich kommentiere: „Die Stifte vom Boden aufheben“, „Den Mülleimer leeren“, „Die Bettdecke neu beziehen“. Und zum Schluss: „Gute Nacht, Kinder.“ Meine Frau stößt ihren Ellbogen in meinen Bauch: „Jetzt übertreibst Du.“ Ich besuche die Jungs, sammle die Smartphones ein, verteile Gute-Nacht-Küsse. Und mache nach weiteren Smartphonewünschen (“Nur noch ein Youtube-Video”) klar: Auch ein Labor macht Feierabend.

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